INTEGRATION DURCH SPITZENSPORT VORLEBEN UND MITERLEBEN

Sie strahlt, als wäre sie schon Schweizermeisterin und in den grossen dunklen Augen erkennt man eine Zuversicht und Fokusierung, um dieses Ziel auch zu erreichen. Mit  srilankischem Charme und Lockerheit und schweizerischer gezielter Aufbauarbeit, möchte die Wilerin und bald Schweizerin Thamilvily Thavachelva (8) ihrem grossen Vorbild Giulia Steingruber nacheifern und einmal im Schweizer Dress auf Siegerpodeste steigen.

(Hermann Rüegg) Die grazile und quirlige Thamivily ist ein Bewegungsbündel und kam recht spät zum Spitzensport. Allerdings ist inzwischen die ganze Familie Thavachelva vom positiven „Magnesiafieber“ angesteckt und verbringt bald mehr Zeit in der Sporthalle des Regionalen Kunstturn-Leistungszentrums in Wil als zu Hause. Für sie ist die Kunstturnerfamilie eine zweite Familie geworden. Eine Familie, in welcher sie sich sehr wohl, sehr unterstützt und integriert fühlt. Umgekehrt bringen die Thavachelvas viel srilankische Lebensfreude und ansteckende Offenheit in das RLZ Ostschweiz. Wenn Thamilvily, strahlt, geht Sri Lankas Sonne auf. Wir sprachen mit Thamilvily, ihrer Mutter Sujiththa und Arielle Salomon, der Geschäftsführerin des RLZ Ostschweiz.

Wie lange ist ihre Familie schon in der Schweiz?
Mein Mann kam vor 17 Jahren als Flüchtling in die Schweiz und ich reiste nach sieben Jahren nach. Wir heirateten dann in der Schweiz und wohnen nun schon fast zehn Jahre in Wil. Wir kannten und liebten uns schon in Sri Lanka, ehe uns dann der Krieg trennte und mein Mann flüchten musste. Ich konnte nur sehr sporadisch für kurze Zeit in die Schweiz reisen, um meinen Liebsten zu sehen. Es war eine schwere Zeit mit einer sehr ungewissen Zukunft. Es hat sich aber alles zum Guten entwickelt. Nach einigen Prüfungen und Gesprächen hoffen wir, in den kommenden Wochen sogar für die ganze Familie den beantragten Schweizerpass zu erhalten und sind dann stolze Schweizer.

Wie kam Thamilvily zum Kunstturnen?
Sie ist ein Energiebündel das dauernd in Bewegung ist und kaum stillsitzen kann. Sie tanzte, lief, sprang und war dauernd auf Trab. Nach dem Besuch einer Schnupperlektion bei den Kunsturnerinnen im RLZ Ost, war für sie klar, dass das ihre sportliche Zukunft ist. Wir suchten dann den Kontakt zu den Verantwortlichen.

Arielle Salomon, mit gut sieben Jahren in den Kunstturnsport einzusteigen ist eher schon spät. Kann das Thamilvily überhaupt noch schaffen, ihren Traum zu verwirklichen?
Es ist so, dass sie sehr viel Grundschulung aufholen muss, um in den kommenden zwei bis drei Jahren den Stand ihrer Alterskolleginnen zu erreichen. Das heisst, sie muss mehr leisten, mehr trainieren und schneller neue Elemente einstudieren. Im Trainerteam waren wir aber der Meinung, dass sie das schaffen kann. Dafür spricht ihre Mentalität, ihr Wille, ihre Ausstrahlung, ihr Körperbau, die grosse Freude sich zu bewegen aber auch die riesengrosse Unterstützung in ihrer Familie. Thamilvily ist ein Talent, ein noch ungeschliffener Edelstein, den wir gerne zu einem glänzenden Diamanten begleiten möchten. Ob es gelingt, hängt auch von Faktoren ab, welche wir im Moment noch nicht alle kennen. Wir möchten ihr aber ein gutes Fundament für den möglichen Erfolg und ihren Traum mitbauen.

Die Familie Thavachelva begleitet ihre Thamilvily auf dem Weg, beim Kunstturnen Erfolg zu haben.
Die Familie Thavachelva begleitet ihre Thamilvily auf dem Weg, beim Kunstturnen Erfolg zu haben.

Frau und Herr Thavachelva, wie wurden sie in der Spitzensport-Turnerfamilie aufgenommen?
Auch wenn wir uns sportlich betätigen, resp. eher bewegen, war das eine neue Welt in welcher wir uns aber sehr schnell sehr wohl fühlten. Wir wurden sehr offen und herzlich aufgenommen. Deshalb geben wir gerne auch viel zurück mit Mithilfe, Fahrangeboten oder wenn es darum geht zu Anlässen tamilische Spezialitäten zu kreieren. Es ist unsere zweite Heimat, resp. das RLZ Ost unserer zweite Stube, in welcher wir uns als Schweizer fühlen und uns im Herzen tamilisch freuen dürfen.

Thamilvily möchte Spitzenturnerin werden. Muss sie bereits jetzt verzichten?
Es ist für sie kein Verzichten, sondern die pure Freude an der Bewegung und mehr Zeit für das Kunstturnen zu haben, um jeden Tag ihren Traum zu leben. Sie verzichtet die tamilische Schule neben der normalen schulischen Bildung im Lindenhof zu besuchen. Tamilische Sprache, Schrift und Kultur ihres Herkunftslandes können ihr auch ich und mein Mann gut vermitteln. Im Moment trainiert Thamilvily 17 Stunden in der Woche und ab Januar 2017 werden es 20 Stunden sein. Auch wenn sie lieber noch mehr Zeit in der Sporthalle verbringen möchte, braucht sie aber Zeit für die Erholung, für die Hausaufgaben und die Freunde in der Nachbarschaft. Aus diesem Grund trainiert sie auch von 13 bis 15.30 Uhr und am Samstag, damit sie genügend Zeit für sich hat.

Welches sind die nächsten sportlichen Ziele?
Arielle Salomon: Mitte November bestreitet sie in Genf die Kadertestwettkämpfe, wo die ganze Familie Thavachelva mitreist und gar übernachtet, um in aller Frühe dann ihre strahlendes Kunstturnkücken anzufeuern. Thamilvily wird sich aber noch etwas gedulden müssen, bis sie den Rückstand aufgeholt hat. um sich dann auch für nationalen Kader zu qualifizieren. Ihre Stärken, nämlich das turnerische Talent, die grazile Eleganz, ihre Selbstsicherheit und die unglaubliche Fokusierung im Wettkampf werden ihr dabei sehr helfen.

Was ist dein Traum, welches deine liebsten Fächer in der Schule und welche Hobbys haben noch Zeit neben Schule und Kunstturnen?
Wenn ich einmal bei den Junioren oder Aktiven in einem Dress mit dem Schweizerkreuz auftreten könnte, wäre das schon cool, mein Traum. In der Schule mag ich die Mathematik, Malen und Gestalten und ich bewege mich in der freien Zeit gerne mit den Gspänli draussen in der Natur.

Kennen sie als Eltern auch die die Möglichkeit, dass der Traum platzen könnte?
Das ist uns bewusst. Bevor Thamilvily das offizielle Training aufnehmen konnte, wurde das ebenfalls im Gespräch mit dem RLZ Ost-Team thematisiert. Es ist für uns eine Freude unsere Tochter beim Start zum Traum mitzuhelfen, sie wenn möglich bis zur Spitze zu begleiten und wenn es nicht klappt, ebenso für sie da zu sein.

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