SELINA BÜCHEL: „BIS 2020 HABE ICH SPORTLICH GEPLANT“

Die seit November 2015 in Wil wohnhafte Mosnangerin vom KTV Bütschwil und Weltklasse 800m-Läuferin Selina Büchel war zu Gast beim Panathlon-Club Region Wil und verriet, dass sie als Sport-Profi auf weitere Grossanlässe setzen möchte und als Fernziel die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio anstrebe.

(Hermann Rüegg) Die sympathische Toggenburger Leichtathletin hat in den vergangenen zwei Jahren über die 800m neue Schweizer Massstäbe gesetzt, verbesserte den Schweizerrekord wurde 2015 Halleneuropameisterin, verpasste im EM-Final nur knapp die Bronzemedaille und an den Olympischen Spielen noch knapper den Finaleinzug. „Trotz dieser aber nur vordergründigen Enttäuschungen habe ich aber in den vergangen zwei Jahren Zeiten und Erfolge erreicht, von welchen ich noch vor drei Jahren kaum zu träumen wagte und bewege mich inzwischen in Kreise von bekannten Topläuferinnen“, so Büchel. Sie ist sich aber bewusst, dass es einige Topstars gibt, welche für sie auch in Zukunft nur sehr schwer zu schlagen sind.

Trotzdem planen sie die nächsten vier Jahre als Profi und setzen voll auf den Sport?
Selina Büchel:
Ich mache so lange Spitzensport wie ich noch Spass daran habe. Das Fernziel Tokio motiviert extrem und ich denke ich werde sicher bis 2020 noch weitermachen. Ob ich das weiterhin als Vollprofi machen werde und kann, weiss ich noch nicht. Ich kenne meinen Körper und weiss, dass ich zwar klar meine Grenzen habe, betreffend Kraft und Schnelligkeit noch etwas Luft nach oben habe. Dank der Professionalität der Unterstützung meiner Trainer Marlies und Urs Göldi aus Bütschwil und dem Rückhalt des Managements von Welklasse Zürich bin ich recht zuversichtlich, bleibe aber auf dem Boden der Realität. Der Olympiafinal 2020 ist aber noch zu weit weg, um diesbezüglich schon eine genaue Zielsetzung zu definieren!

Können sie denn davon leben?
Selina Büchel:
Vergleiche mit Tennis oder Fussball sind irreal und ich laufe weil es mir immer noch viel Spass macht. Aber ich kann dank Sponsoren, Start- und Preisgeldern im Moment davon leben, aber ich kann nicht sagen, ob ich die nächsten vier Jahre davon leben kann. Das hängt auch von meinen Leistungen ab.

Mal Hand aufs Herz, in Rio waren ein Teil der Finalistinnen und Medaillengewinnerinnen schon fast mit Manneskraft unterwegs und kaum zierliche Läuferinnen wie sie? Macht man sich Gedanken dazu?
Selina Büchel:
Ich beschränke mich auf mein Training, meinen Aufbau und meine Möglichkeiten. Wenn im Athletenpass und im Pass der Vermerk Frau steht, dann startet sie auch bei den Frauen. Es ist ein äusserst komplexes Thema. Der Sport braucht klare Regeln und Grenzen. In diesem Fall ist es aber offensichtlich sehr schwierig und heikel, die Grenze zu definieren. Ich bin froh, muss ich darüber nicht entscheiden. Die betroffenen Sportlerinnen bewegen sich im Rahmen der geltenden Regeln. Ich respektiere sie als Gegnerinnen wie alle anderen auch.

Doping und Weltklasse? Was meinen sie dazu?
Selina Büchel:
Leider müssen wir uns immer wieder diesen Fragen stellen, weil es Sportler/innen resp. ihre Trainer und Ärzte in verschiedensten Sportarten gibt, welche auf allerlei Arten Duck machen. Ich möchte aber frei sein, selber entscheiden können und vor allem nicht in jungen Jahren meine Gesundheit grobfahrlässig aufs Spiel setzen. Das ist es mir nicht wert und ist auch nicht ehrlich. Ich stehe für sauberen Sport und bin glücklich darüber, dass ich in der Schweiz die Möglichkeit habe, meinen Sport sauber auszuüben. Ich bin mir bewusst, dass nicht alle meine Gegnerinnen sauber sind.  Beispielsweise von Russland hat man vom staatlichen Dopingsystem erfahren. Das ist sehr schlimm und tut mir auch für all die Athleten leid, die in diesem Umfeld leben und fast gar keine andere Wahl haben.

Haben sie denn noch eine Chance, ihre Ziele zu erreichen, nämlich an EM, WM oder Olympia in die Finals zu laufen?
Selina Büchel:
Ich glaube schon. Ich war dieses Jahr extrem knapp am Olympia-Final dran. Ich werde weiterhin konsequent trainieren und meinen eingeschlagenen Weg verfolgen. Ich hoffe ich kann mich in den nächsten Jahren nochmals etwas verbessern. Nach einem recht schwierigen Saisonstart 2016 (Infekt) und für mich taktisch eher schwierigen Rennen hat es heuer noch nicht ganz geklappt.

Welches sind die weiteren Fixpunkte auf dem Weg nach Tokio?
Selina Büchel:
Das Wichtigste vorab ist, dass ich gesund und verletzungsfrei bleibe. Im Februar starte ich als Titelverteidigerin an der Hallen EM in Belgrad. Mein Traum wäre es, mich einmal für einen WM- oder Olympia-Final zu qualifizieren. Die nächste Chance dazu bietet sich im August 2017 an der WM in London. In 2018 folgt dann die EM in Berlin und im 2019 wieder eine WM. Mit Zürich und Lausanne finden ja zwei der weltbesten in der Schweiz statt. In Bellinzona und Luzern gibt es weitere topbesetzte Meetings in der Nähe.

Trainieren sie eher im Team und wo?
Es gibt Trainingseinheiten im Team des KTV Bütschwil und auf dem Lindenhof in Wil wo ich vor allem männliche Trainingskollegen habe welche mich fordern können. Sonst bin ich aber auch sehr viel alleine unterwegs und habe meine Trainingstrecken in Mosnang, in Bütschwil und neu natürlich auch in der Region Wil, wo es ebenfalls ausgezeichnete und abwechslungsreiche Laufstrecken gibt.

Jetzt ist es ja eher ruhiger und das Training nicht so intensiv oder?
Selina Büchel:
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bin im Moment infolge des intensiven Trainings und Aufbaus etwas müde. Ich trainiere gerne und es ist für mich nicht eine Pflicht die erledigt werden muss. Im Moment bin ich in einer intensiven Aufbauphase. Im Herbst wird mit dem Grundlagentraining die Basis für den Sommer gelegt. Es werden höhere Umfänge absolviert dafür ist die Intensität nicht so hoch. Im Februar/März habe ich eine kurze Hallensaison geplant. Dort folgen dann bereits wieder die ersten schnelleren Trainings und Hallenrennen über 800m.

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